Gesellschaft ohne Kirche?
Rückblick auf ein Podiumsgespräch am 5. April 2019
im Mehrgenerationenhaus der Evangelischen Kirchengemeinde Öhringen

..........Im Wesentlichen wurde in der Weimarer Verfassung  die Kirchen betreffend Folgendes bestimmt:
-    Das landesherrliche Kirchenregiment, in dem der monarchische Landesherr (in Württemberg zuletzt König Wilhelm II) auch die Oberhoheit  über die evangelische Kirche  innehatte, wurde abgeschafft.
Eine „Staatskirche“ existiert von da an in Deutschland nicht mehr        (Art. 137).
-    Der Begriff „Kirche“ wurde ersetzt durch den Begriff „Religionsgemeinschaft“ (auch: “Religionsgesellschaft“).
Diese erhalten auf Antrag den Status einer „Körperschaft  des öffentlichen Rechts“, sofern eine hinreichend große Mitgliederzahl verzeichnet werden kann (Art. 137.5).
(Die großen Kirchen erfüllten natürlich diese Bedingung.)
-    Mit dem Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts ist das Recht auf Einzug einer Steuer („Kirchensteuer“) verbunden (Art. 137.6).
Weitere Artikel garantieren den Religionsgemeinschaften die „Freiheit der Selbstverwaltung (Art. 137.3), die Garantie der „Glaubens- und Gewissensfreiheit“ jedes Einzelnen und das Recht auf „ungestörte Religionsausübung“ (Art. 135).

Als nach dem Zweiten Weltkrieg es darum ging, eine Verfassung für die neue Bundesrepublik Deutschland auszuarbeiten, wurden die für die Kirchen wichtige  Artikel der Weimarer Verfassung unverändert in das Grundgesetz übernommen. In Artikel 140 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland heißt es: „Die Bestimmungen der Art. 136, 137, 138, 139 und 141 der Deutschen Verfassung vom 11. August 1919 sind Bestandteil dieses Grundgesetzes.“

Das Podiumsgespräch am 5. April wollte nun der Frage nachgehen, wie es heute vor dem Hintergrund der Verfassung um das Verhältnis von Staat und Kirche bestellt ist. Veranstalter des Abends waren die „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Öhringen “(ACK) und die evangelische und katholische Erwachsenenbildung im Hohenlohekreis. Eingeladen als Teilnehmer am Podiumsgespräch hatten die Organisatoren den evangelischen Landes-bischof von Württemberg, Dr. h.c. Otfried July, den Staatskirchenrechtler der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Prof. Dr. Felix Hammer, den Landrat des Hohenlohekreises, Dr. Matthias Neth, sowie die Vizepräsidentin des Europaparlaments Evelyn Gebhardt.
Die Moderation des Podiumsgesprächs hatte Pfarrer Albrecht Fischer-Braun von der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein übernommen.

Nach der Begrüßung eröffnete Prof. Dr. Hammer die Gesprächsrunde mit einem historischen Rückblick auf die die Kirchen betreffenden Artikel der Weimarer Verfassung und des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Besonders hervorgehoben wurde dabei, dass in der Weimarer Verfassung nicht mehr von Kirchen die Rede war, sondern von „Religionsgemeinschaften“, was nun  auch der jüdischen Glaubens-gemeinschaft eine gleichberechtigte Stellung im Staat einbrachte.
In der folgenden Diskussionsrunde stand dann das Verhältnis von Kirche und Staat in der heutigen Zeit im Mittelpunkt. Evelyn Gebhardt, gebürtige Französin, beschrieb dieses Verhältnis zwischen dem Staat und der Kirche nach der französischen Verfassung. Hier gibt es eine strenge Trennung von Staat und Kirche. So sind in Frankreich religiöse Symbole in staatlichen Einrichtungen verboten, es gibt in den Schulen keinen Religionsunterricht und eine Kirchensteuer kennen die Franzosen  auch nicht.
Für den Landesbischof Otfried July hat jedoch das deutsche „Kooperations-modell“ nicht nur für die Kirchen, sondern auch für die Bürger entscheidende Vorteile. Dies unterstrich auch Landrat Dr. Neth mit einem Verweis auf die vielen kirchlichen Einrichtungen, die gesellschaftliche Aufgaben erfüllen, wie zum Beispiel die diakonische Arbeit, die Jugendarbeit oder die Hilfsangebote für Flüchtlinge. Der Landrat bekannte, dass so manches  nicht in der gleichen Qualität von staatlichen Stellen geleistet werden könnte. Daraus ergebe sich –  so der Landesbischof – im Alltag ein enges Zusammenspiel der einzelnen Einrichtungen und letztendlich auch ein fruchtbares Miteinander von Kirche und Staat.
Für Evelyn Gebhardt ist von entscheidender Bedeutung, dass die Kirchen zu den großen Themen unserer Zeit, wie zum Beispiel Gentechnik, künstliche Intelligenz, Stellung beziehen und den Menschen Orientierung geben. Darin sieht sie die Hauptaufgabe der Kirchen.
Dass im Hohenlohekreis noch 86% der Schüler am Religionsunterricht teilnehmen, wurde sowohl vom Landrat als auch vom Landesbischof als Beleg gesehen, dass die Religion in unserer heutigen Gesellschaft doch noch einen hohen Stellenwert besitzt, obwohl zurückgehende Zahlen zu erwarten seien. Immerhin seien aktuell in Baden-Württemberg noch 75% der Menschen konfessionell gebunden. Aber man sehe die zukünftigen Herausforderungen. Für den Landesbischof müsste noch mehr von den Diskussionen in den Gremien der Landeskirche direkt vor Ort ankommen.
Er sieht hier also eine Schwachstelle in der Kommunikation von oben nach unten.
Eingeladen als Gast  war auch Menderes Selcuk vom Deutsch-Türkischen-Verein Öhringen.  Vom Publikum aus machte er deutlich, dass für ihn die verfassungsmäßige Gleichberechtigung auch nicht-christlicher Glaubens-gemeinschaften  eine ganz wichtige Frage  ist.

Insgesamt verlief das Podiumsgespräch recht harmonisch, wirkliche Streitfragen wurden nicht erörtert. Dass viele Menschen heute das besondere Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Frage stellen, wurde nicht thematisiert. Die überaus gut besuchte Veranstaltung, bei der die Sitzplätze nicht ausgereicht haben, zeigt aber, dass die Gesellschaft sowohl an den Staat als auch an die Kirchen Fragen haben, die Stellungnahmen und Antworten verlangen.

M. Guldan

Kirche und Gesellschaft - Frühjahrssynode Öhringen mit Landrat Dr. Neth

 

Kirche in der Öffentlichkeit

100 Jahre nach der Weimarer Verfassung stellt die Bezirkssynode die Frage nach dem Verhältnis von Staat und Kirche in der Gegenwart.

Eröffnung der Synode im Gottesdienst in der Stiftskirche

Hat die Botschaft Jesu an Bedeutung verloren seit seinem Auftreten vor 2000 Jahren?

Welche Rolle spielt die Kirche heute?

Welche Erwartungen wurden in der Vergangenheit, welche werden in der Gegenwart an sie gestellt?

(Dekanin Sabine Waldmann entfaltet in ihrer Predigt diese Fragestellung)

 

„Im Öhringer Stadtbild nimmt die Stiftskirche einen zentralen Platz ein, doch wie sieht es in der Gesellschaft aus?“

(Redakteur „Dr. Peter Hohl“)

„Kirche am Ort - Kirche an vielen Orten“ – so definiert die katholische Kirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart die gegenwärtige Bedeutung der Kirche.

 

Landrat Dr. Neth

7 Thesen zum Thema

 

 

Die Kirche sollte im konkreten Handeln öffentlich präsent sein.

 

Die Kirche sollte als Akteurin und Gesprächspartnerin Position beziehen.

 

Die Kirche sollte das Thema Nächstenliebe auch öffentlich leben.

 

Die Kirche sollte Ökumene öffentlich leben.

 

Die Kirche sollte veränderungsfähig sein und auch zu Fehlern stehen.

 

Die Kirche sollte als Gemeinde vor Ort präsent sein.

 

Die Kirche sollte als Sinnstifterin da sein.

 

 

 

 

Reaktionen auf die Synode

 

„Anspruchsvoller Landrat“

„Matthias Neth formuliert bei Bezirkssynode in sieben Punkten, was er von der Kirche erwartet“

(Heilbronner Stimme)

 

Danke für diese Synode; Landrat Dr. Neth sollte jährlich in die Synode kommen.“

(Stimmen aus der Bezirkssynode)

 

Stimmen aus den Arbeitsgruppen der Synode

 

Der Vortrag von Landrat Dr. Neth wurde von den Bezirkssynodalen begrüßt und als Ermutigung empfunden.

Die Echtheit seiner persönlichen Stellungnahmen und die Position als Landrat bestärken die Bedeutung der Zusammenarbeit von Kirche und Landkreis in vielerlei Themenbereichen.

 

-       Es ist beeindruckend, dass ein Politiker so klare Erwartungen an die Kirche hat und ihre klare Position einfordert.

-       Wir wollen als Kirche mit Menschen aus der Kommunalpolitik in allen Bereichen im Gespräch bleiben.

-       „Kleine Einheiten vor Ort müssen gestärkt werden“-

Das sollte so sein in Kirche und Politik.

-        „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Auch der säkularisierte, also weltliche Staat muss wohl „letztlich aus jenen inneren Antrieben und Bindungskräften leben“, die „der religiöse Glaube seinen Bürger vermittelt“.

(Ernst-Wolfgang Böckenförde, katholischer Juraprofessor und spätere Bundesverfassungsrichter)

-       Die Kirche darf nicht als Lückenbüßerin missbraucht werden, indem sie nur dort ernstgenommen wird, wo der Staat an seine Grenzen stößt.

 

-       Es war überraschend, dass der Landrat dafür plädiert hat, dass Kirche „Sinnstiftung“ und „seelsorgliches Handeln“ stärker in den Fokus rücken soll.

-       Es ist ermutigend, dass unser Landrat so loyal zur Kirche steht.

 

Anregungen

 

-       Ein regelmäßiger Austausch mit den Kommunen vor Ort ist wünschenswert.

-       Die gesellschaftlichen Herausforderungen können nur im Verbund aller gesellschaftlichen Gruppierungen gelöst werden. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Kirche und Kommunen ist notwendig. Nur so können tragende Strukturen gefunden und entwickelt werden.

 

Wünsche

 

-       Mitarbeiter müssen gestärkt werden, dass sie merken, es ist schön, für eine Gemeinschaft tätig zu sein.

-       Ehrenamtliche, die für Kommunen tätig sind                                (in Seniorenheimen, Krankenhäusern,…) müssen angemessen unterstützt werden.

-       Auf der Basis gemeinsamer Werte sollte es auch ein gemeinsames Agieren geben, z.B. im Hinblick auf Jugend und Familien

 

 

Perspektiven:

 

Wir wollen die Kontakte, den Dialog und die Zusammen-arbeit stärken

Predigt zum Eröffnungsgottesdienst Dekanin Sabine Waldmann

Herzlich willkommen!
Schön, dass Sie alle gekommen sind, um die Synode mit einem Gottesdienst zu eröffnen. Auf diesem Hintergrund soll die Arbeit in der Synode geschehen.

Die Tageslosung formuliert unseren Auftrag so:

Übt Recht und Gerechtigkeit
Und rettet den Beraubten
Aus der Hand des Unterdrückers
Und unterdrückt nicht den Fremden,  die Waise und Witwe
Und tut ihnen keine Gewalt an.

Worte des Propheten Jeremia:

Lebt als Kinder des Lichtes.
Das Licht bringt nichts als Güte,
Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.

Worte des Apostels Paulus:

Möge uns dieses Licht aufgehen heute Abend in unserer Synode.
Wir feiern
im Namen Gottes des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen

Wir danken Gott, dass seine grenzenlose Güte uns begleitet bei allem, was wir denken und tun.

EG 333, 1.2 Danket dem Herrn
Gott steht uns bei auf dem Weg der Gerechtigkeit

Psalm 68 NL 905
Die Gerechten freuen sich /
und sind fröhlich vor Gott *
und freuen sich von Herzen.
Singet Gott, lobsinget seinem Namen! /
Macht Bahn dem, der auf den Wolken einherfährt; *
er heißt HERR. Freuet euch vor ihm!
Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen *
ist Gott in seiner heiligen Wohnung,
ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt, /
der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlgehe; *
aber die Abtrünnigen bleiben in dürrem Lande.
Gelobt sei der HERR täglich. *
Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.
Wir haben einen Gott, der da hilft, *
und den HERRN, einen Herrn, der vom Tode errettet.
Gebt Gott die Macht! Seine Herrlichkeit ist über Israel *
und seine Macht in den Wolken.
Zu fürchten bist du, Gott, in deinem Heiligtum. *
Er ist Israels Gott.
Er wird dem Volk Macht und Kraft geben. *
Gelobt sei Gott!
Psalm 68, 4–7.20–21.35–36

Ehr sei dem Vater


Ewiger,
heiliger,
geheimnisreicher,
menschgewordener Gott!
Wir kommen zu dir.
Wir möchten dich hören,
Dir antworten.
Wir kommen zu dir Gott
Mit allem, was uns bewegt.
Unsere Freude an deiner Kirche,
Unsere Hilflosigkeit und Ohnmacht,
Unsere Sehnsucht nach Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung,
Unsere Müdigkeit und unsere Kraft.

Wir bringen vor Gott, was jeden von uns bewegt und singen das Lied:

NL 51 Herr, ich komme zu dir

Ansprache:

Liebe Gemeinde,
Damals war es wohl anders.
Wenn das Gerücht umging, Jesus sei in der Nähe, ließen die Menschen alles liegen und stehen, liefen zusammen, um ihn zu hören. Die Menschen waren neugierig, voller Erwartungen.

Markus erzählt in seinem Evangelium:
1 Und nach etlichen Tagen ging Jesus wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war.
2 Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.

Wie ist das heute? Was denken die drinnen und draußen von Jesus Christus?

Helmut Schmidt schreibt während des 2. Weltkrieges:
„In dieser Lage konnte man seine Hoffnung nur noch auf die Kirche setzen, dachte ich, und deshalb muss man die Kirche stützen. Meine Frau teilte diese Vorstellung. So kam es zu dem Entschluss, uns kirchlich trauen zu lassen. Unsere Trauung war keine Hinwendung zur christlichen Religion, vielmehr Ausdruck der Hoffnung auf die moralische Kraft der Kirche, die nach dem erwarteten bösen Ende in Deutschland eine anständige Gesellschaft herstellen würde.
Heute weiß ich, dass diese Vorstellung allzu idealistisch und naiv gewesen ist. Die Kirchen konnten gar nicht leisten, was wir von ihnen erwarteten.“

Wie ist das heute? Die Erwartungen sind diffus drinnen im Haus  und draußen vor der Türe. Was können und wollen wir als Kirche leisten?



Bei der Verabschiedung des langjährigen Stadtpfarrers sagt der Bürgermeister einer Stadt sein Kommen ab.
„Man kann nicht zu jedem beliebigen Verein kommen“, entschuldigt er sich.
Auch der befreundete Vorgänger sollte keinen Gruß der Stadt überbringen.

„Wir sind da - gottlos glücklich.“
Wer an dem kleinen Ladenlokal an der Düsseldorfer Friedrichstraße vorbeifährt, dem fällt der riesige Schriftzug sofort ins Auge: „Gottlos glücklich“
Die Initiative fordert das Verschwinden des Glaubens aus dem öffentlichen Raum. Keine Privilegien für die Kirche!

Sind das einzelne Stimmen?
Oder Ausdruck einer veränderten Einstellung im öffentlichen Raum der Kirche gegenüber?

Was sind die Erwartungen an die Kirche heute?
Von drinnen und draußen?
Wo ist unser Platz in der Öffentlichkeit?

Beim 150jährigen Jubiläum der württembergischen Landessynode stellt der Jenaer Professor für Soziologie und Politikwissenschaft Dr. Hartmut Rosa in seinem Festvortrag
die Frage:

Ist Kirche als staatlich organisierte Institution ein lästiges Überbleibsel aus längst vergangener Zeit,
störend und wirtschaftsschädigend mit ihren Forderungen z.B. nach Sonntagsschutz und den Ladenöffnungszeiten am Sonntag, mit  ihrer Stellungnahme zu modernen Entwicklungen wie z.B. der Stammzellenforschung?
In den Reihen der Kirchenmitglieder selbst, sagt er, nehme  er eine tiefgreifende Mutlosigkeit wahr:
Eigentlich hätten wir nicht mehr viel zu sagen, wir erreichten die Menschen nicht mehr, Menschen wollten uns nicht mehr hören, liefen uns weg, nähmen uns nicht ernst. Vor 50 Jahren sei es eine Ehre gewesen, für die Kirche unterwegs zu sein. Heute sei es eher peinlich. Man versuche zu verschweigen, dass man in der Kirche aktiv ist. So sein Eindruck.
Aber, so Rosa, dazu gebe es keinen Grund:
Möglicherweise ist Kirche wichtiger denn je.
Unsere Gesellschaft braucht Kirche dringend.
Die Gesellschaft ist so verfasst, dass wir immer schneller laufen müssen, um so zu bleiben, wie wir sind. Wachsen, beschleunigen,  innovativ sein, rationalisieren,  nicht um besser zu werden, sondern um so zu bleiben, wie wir sind, um zu erhalten, was wir haben.
Man kann alles verbessern, Gewicht, Gesundheit, Schönheit, Karriere.
Wir haben täglich unendliche to-do-Listen.
Das muss ich unbedingt noch sehen, Besuche machen, anrufen.
Jeden Abend steigen wir schuldig ins Bett, weil wir nicht genug getan haben, und wenn es nur das ist, dass wir uns nicht genug entspannt haben. Der Mensch wird zum Schöpfer seines Lebens.
Wenn ich mein Leben nicht in den Griff bekomme, bin ich ein „Looser“.
Obwohl ich alles versuche, kann ich nie genug tun.

Der Familientherapeut Horst Eberhard Richter hat in der Zeit der antiautoritären Erziehung ein ähnliches Phänomen beobachtet:
Kinder, denen keine Grenzen gesetzt werden, kein vorgegebener Lebensraum angeboten wird, haben das Gefühl, ihr Leben selbst erfinden zu müssen, können nicht schlafen, finden keine innere Ruhe.

Wirklich gelingendes Leben braucht den Glauben als Grundhaltung. Braucht den Schöpfer und Erlöser als Gegenüber.
Braucht den Gedanken, dass Leben unverfügbar ist, ein Geschenk eines größeren Gegenübers.
Im Singen, Beten, Gottesdienstfeiern finde ich mein Leben,
über das ich nicht verfügen kann. Im Singen, Beten und Gottesdienstfeiern bin ich bezogen auf den Anderen, Größeren,
den menschgewordenen Gott, den Schöpfer und Erlöser.
Es entsteht eine Gemeinschaft, in der ich nicht besser sein muss als die anderen. Ich darf Teil eines größeren Ganzen sein. Angenommen in meiner Unvollständigkeit, angenommen mit meiner Eigenart, gerufen in meinen Lebensauftrag, in einen Lebensraum, in dem Verwandlung stattfinden kann, in dem Erfüllung geschieht, als gestaltendes Geschöpf.
Es geht um das Miteinander- verantwortlich- Sein für den Nächsten und unsere Welt, verpflichtet der Gerechtigkeit und Güte Gottes.

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft.
Der christliche Glaube ist nicht die selbstverständliche Lebenshaltung. War sie es jemals?
Immer war die Kirche Jesu Christi angewiesen auf Worte und Taten, die überzeugen, und  darauf, Menschen zu gewinnen.
Jesus war im Dialog mit seinen Jüngern und den Fremden, die zusammenliefen, wenn er kam. Sie wussten nichts von seiner Lehre.
Paulus predigte zu Menschen ganz anderer Religionen.
Auch heute ist Kirche angewiesen auf das Wort, das überzeugt, im Reden und Tun.
Worte, die wir uns nicht selbst sagen können.
Worte des menschgewordenen Gottes, Worte aus dem Leben Jesu Christi, Worte von Leid und Freude, von Tod und Auferstehung, vom Sinn und der Verantwortung unseres Lebens.

Wir sind getragen von dem Vertrauen, dass es den einen gibt, der in allem mitgeht und mitträgt. Wir glauben, dass nicht alles von mir und meinen Entscheidungen abhängt, sondern dass es immer noch etwas Größeres gibt, dem wir uns anvertrauen können, der unser Leben und unsere Welt zum Ziel bringt.
Diese Botschaft können wir hinaustragen in die Welt.
Als Kinder eines Lichtes, das durch uns leuchtet und erzählt von Güte und Gerechtigkeit.
Begleitet von Jesus Christus, der damals in dem Haus, in dem die Menschen zusammenliefen, einen Gelähmten heilte,
der heute unsere gelähmte, in manchen Bereichen mutlos gewordene Kirche heilt mit dem befreienden Wort:
Deine Sünden sind dir vergeben. Steh auf, nimm dein Bett und geh hinaus zu den Menschen, die sind, wie sie sind.
Diese Botschaft wollen wir leben in unseren Gemeinden und weitertragen als Kinder des Lichts. Amen

Lasst uns gemeinsam damit beginnen und das Lied singen:
NL 112 Con allegria lasst uns singen, fangt an.

Wir haben neue begeisterte Mitarbeiter und wir haben alte Mitarbeiter, die neue Aufgaben übernehmen:

Pfarrer Ulrich Hägele wird neuer Dekanstellvertreter.
Herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft!
Ich freue mich, dass damit auch ein Vertreter des Jugendwerkes im KBA mitarbeiten wird.

Pfarrer Alexander Köhrer hat im Dezember seinen Dienst in Langenbeutingen begonnen
Er wird sich Ihnen kurz vorstellen.

Frau Dr. Henrike Frey-Anthes hat als Referentin im Dekanat begonnen.

Eine Karte von Josua Boesch: Auferstehungsglaube
Boesch schreibt zu diesem Bild:
 „Wenn selbst ein Holz vom Aufbruch träumt
und wirklich aufbricht,
sag was dann?
Dann aufersteht der ganze Baum zum Lebensbaum.
Ausreden sind dann nicht mehr möglich
für die Menschen nicht aufzuerstehen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Gottes Segen so erleben.

Wir singen für Sie und uns  das Segenslied:
NL 74,1 Segenslied Schalom Schalom

Was wir auf dem Herzen haben, schließen wir ein in das Gebet Jesu
Vaterunser

Segen

Nachspiel