Gottesdienst zu Kantate, 10.5.2020, Pfarrerin Brigitte Ebert, Adolzfurt

Wochenspruch:*Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder (Ps 98,1)

Mit diesem Wochenspruch grüße ich Sie herzlich am Sonntag Kantate, d.h. „singt“. Dieser Aufforderung können wir derzeit nicht gemeinsam in der Kirche nachkommen. Aber auch, wenn wir zuhause singen, oder leise mitbrummen oder text- und melodiesicher den Gesang vortragen- Gott ist da. Er freut sich, wenn wir ihm danken, ihm unsere Not vortragen oder unsere Freude ausdrücken.

Gebet
Barmherziger Gott,
mach uns bewusst, was du uns alles schon geschenkt hast. Wir sehen meist auf das, was uns fehlt, ärgern uns über das, was uns Mühe macht. Wir klagen eher als wir singen. Wir übersehen so viel, wofür wir dankbar sein können. Du bist da, auch wenn wir nicht mit dir rechnen. Du gibst uns nicht auf, auch wenn wir dir aus dem Weg gehen. Wir danken dir für das, was wir übersehen und für die glücklichen Augenblicke im Leben. Bitte, nimm diese einfachen Worte als Versuch, dich zu loben. Amen.

Predigt:

Durch unseren heutigen Predigttext bekommen wir Einblick in ein Treffen, das König Salomo organisiert hat, zur Einweihung des 1. Tempels in Jerusalem: Eine Großveranstaltung, wie sie bei uns derzeit überhaupt nicht denkbar wäre. Wir hören Verse aus 2. Chr 5:

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat gefeiert wird. 4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten. 12 Und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertundzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

Liebe Gemeinde,
es ist ein geniales Großereignis, das hier beschrieben wird: ich stelle es mir sehr beeindruckend vor, die üppige Fülle an Sängern und Trompetenbläsern, erhebend für alle. Es muss schon toll gewesen sein, bei so einem Ereignis live dabei sein zu können.
Heute ist bei uns im Dekanat eigentlich auch so ein Großereignis: Bezirkschortag in Öhringen- ein Großereignis, das alle paar Jahre stattfindet. Es ist jedes Mal ein beeindruckendes, musikalisches Gemeinschaftsereignis: Da laufen vorher langfristige Planungen und Absprachen, die Kirchenchöre proben mit den Chorleitern vor Ort, dann gibt es eine gemeinsame Hauptprobe in der Stiftskirche Öhringen und dann folgt am Sonntag Kantate der gemeinsame Auftritt: Und wenn dann Bezirkskantor KMD Jürgen Breidenbach die Arme hebt und alle Sängerinnen und Sänger, die Musiker am  Klavier, der Gitarre, dem Cajon... einsetzen und gemeinsam musizieren zur eigenen Freude, zur Freude der anderen und zum Lobe Gottes: das ist ein erhebendes Gefühl!
Viele von Ihnen waren wohl auch schon mal bei einem Landesposaunentag in Ulm, wo tausende Bläser zusammenkommen, um Gott zu loben: Das kann einem auch ein Gänsehautgefühl vermitteln, wenn dann alle zum Schluss auf dem Münsterplatz ihr Instrument erklingen lassen. Als ob man im 7.Himmel wäre!

Derzeit können wir von so etwas nur träumen: Kontaktbeschränkungen gelten nach wie vor. Und gemeinsames Singen und Musizieren ist sowieso tabu wegen der Tröpfcheninfektion. Aber unter der Dusche dürfen Sie singen! Oder auch daheim in vertrauter Runde- immerhin!

Die Chronikbücher, in denen der heutige Predigttext steht, sind recht unbekannt. Teilweise sind sie sehr ähnlich wie die Königsbücher- wir erfahren darin viel über die Geschichte Israels während der Zeit, als Könige das Land Israel regierten. Aber ungewöhnlich bei diesen Chronik-Büchern ist: Die Könige David und Salomo kommen auffallend gut weg: Negatives, das an anderen Stellen im Alten Testament über diese beiden Könige erzählt wird, wird hier gar nicht erst nicht erst erwähnt.
Es wird einfach eine gute Zeit beschrieben, damals unter der Herrschaft von König David und König Salomo, ein goldenes Zeitalter.

Dieses Stichwort „Goldene Zeiten“ möchte ich aufgreifen: Was würden Sie als goldene Zeiten in Ihrem Leben bezeichnen? Die Coronakrise wohl eher nicht! Vielleicht denken Sie eher an die Kindheit, als es noch jeden Winter Schnee und Schlittenfahren gab nach Lust und Laune. Oder die Zeit des Studiums/ der Ausbildung, als Sie völlig neue Menschen kennengelernt und ein neues Lebensgefühl entdeckt haben. Oder die Zeit, als Sie Ihren Partner/ Ihre Partnerin kennengelernt haben oder die Kinder noch klein waren und man jederzeit wusste, wo sie waren.
Wenn man alte Menschen nach goldenen Zeiten in ihrem Leben fragt, dann gehen sie häufig in Gedanken zurück in die Jugend. Dann leben Emotionen/ Gefühle von damals wieder auf. Und obwohl sie viel entbehren mussten, erinnern sie sich eben auch an viel Gutes, das sie erlebt haben, damals- und es kommt ein Strahlen auf ihr Gesicht.

Wenn wir heute Gott loben, dann erinnern wir uns ebenfalls an goldene Momente: Wo wir Gutes erlebt haben, trotz mancher Probleme und unerfüllter Wünsche.

Wir können Gott für alles Mögliche loben und ihm danken:
So ist es schließlich nicht selbstverständlich, dass am Ende der Schwangerschaft ein gesundes Neugeborenes auf die Welt kommt. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich einen Arbeitsplatz habe und ihn auch in der Krise behalten kann. Oder dass ich einen Garten oder Balkon habe, wo ich sogar während der Quarantäne raus kann.

Gott loben hat damit zu tun, dass ich mein Leben abwäge, Gutes und Schlechtes bedenke.
Die Waagschale, in der Negatives liegt, wiegt  manchmal so schwer, dass ich anderes gar nicht sehen kann, weil das Schlechte mich völlig in den Bann zieht.
Wenn ich Gott lobe, dann nehme ich ganz bewusst auch Gutes in den Blick: das kann ein Gänseblümchen sein, sauberes Leitungswasser, oder ein Mitmensch...
Wenn ich das Gute in den Blick nehme, dann bekommt es mehr Gewicht, dann kann ich die Waagschale meines Lebens besser ausgleichen.
Wenn wir Gott loben, geht es nicht darum, einfach alles schön zu reden,  Gott Honig um den Mund zu schmieren- aber die Zusammenhänge, in denen ich lebe, zu bedenken.

Gott loben tut gut:
„Nicht geschimpft, ist genug gelobt!“ - Diese Einstellung sagt man ja auch den Hohenlohern nach- ich habe den Eindruck, dass viele Menschen auf unserer Welt nach diesem Motto leben.
Dabei tut Loben doch so gut: Ich nehme wahr und erkenne an, dass jemand etwas Gutes getan, hilfreich gehandelt hat: Ob nun das Kind freiwillig das Spielzeug aufgeräumt hat, oder die Spülmaschine- o Wunder- schon ausgeräumt ist; oder die Kollegin meinen Fehler ausgebügelt hat, ohne es an die große Glocke zu hängen: dann sage ich einfach „Danke“, oder „gut gemacht“...und schon fertig! Damit breche ich mir keinen Zacken aus der Krone. Und der andere Mensch fühlt sich wahrgenommen und geschätzt.
Loben schadet im zwischenmenschlichen Bereich nicht und gegenüber Gott auch nicht.

Wie mein persönliches Gotteslob in der Praxis aussehen kann? Ich kann zuhause beten, singen und danken: Schon morgens beim Aufstehen- da werde ich zwar vermutlich noch nicht gleich singen, aber ich kann danken, dass ich aufstehen kann, ein gutes Frühstück auch mich wartet; abends vor dem Schlafengehen kann ich danken, dass ich ein weiches Bett habe, oder Medizin gegen meine Schmerzen; danken kann ich für das wohltuende Gespräch am Telefon, den Brief der Freundin; oder für den Regen, der den Pflanzen so gefehlt hat- all das ist auch unter Kontaktbeschränkungen möglich.

Gott loben braucht nicht viel Aufwand, aber es tut unserer Beziehung zu Gott gut, und somit auch uns.

Kommen wir nochmal zurück zum Singen:
Es gibt verschiedene Arten und Anlässe zu Singen,  aber meistens stärkt das gemeinsame Musizieren die Gemeinschaft: Egal ob ich Volkslieder singe im Seniorennachmittag, ein Elternchor bei der Konfirmation auftritt, ich im Stadion die Club Hymne mitbrumme oder ich mitsinge beim Lied, das ein Kollege extra für einen anderen zum Jubiläum gedichtet hat.

Aber im Gottesdienst singen, hat nochmal eine andere Dimension: Unabhängig vom Geschmack (bezüglich Musik und Text): Wir singen nicht einfach irgendwelche Lieder, sondern wir beschäftigen uns mit Gott. Und wir nehmen dabei manchmal auch Worte und Formulierungen in den Mund, die wir so im Alltag eher nicht benützen. Es geht eben auch um etwas ganz besonders: Soli Deo Gloria! So hat es J.S.Bach immer am Ende seiner Kompositionen ausgedrückt -allein Gott die Ehre, S.D.G.

Wenn wir also Lieder singen, um Gott zu loben, dann reden wir uns unser Leben nicht einfach schön. Aber wir stellen uns und unser Leben in einen größeren Zusammenhang. Ich bringe mein Leben mit Gott in Verbindung, weil ich darauf vertraue, dass er sich längst schon mit mir verbunden hat. Und das stärkt die Beziehung! Das kann ein erhebendes Gefühl sein!

Wir dürfen dieses Jahr am Sonntag Kantate nicht miteinander im Gottesdienst singen- das ist sehr schade! Auf dieses erhebende Gefühl in richtig großer Runde, müssen wir wohl auch noch längere Zeit verzichten. Zuhause aber dürfen sie Loblieder auch jetzt singen- also machen Sie es auch!

Irgendwann können Sie alle wieder herkommen in die Kirche zum Gottesdienst- und dann singen wir gemeinsam zum Lobe Gottes!  Ich hoffe, dass Sie dann auch mitmachen wollen, Sie die Gelegenheit nützen und auch tatsächlich kommen!
Amen.

Segen:
Der Herr segne euch und behüte euch. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.
Amen.

 

 

Wenn Sie die beiden vorgeschlagenen Wochenlieder (s.u.) zuhause singen wollen, können Sie sich Unterstützung im Internet holen:
-Unter
www.eingesungen.de können Sie alle Lieder des Ev. Gesangbuchs und des Wowiplus anhören.
- Und auf der Homepage der Ev. Kirchengemeinde Öhringen können Sie mit Jürgen Breidenbach u.a. „Du meine Seele singe“ singen.  Viel Freude dabei!


Wowi plus 56
1. Ich sing dir mein Lied - in ihm klingt mein Leben. Die Töne, den Klang hast du mir gegeben von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde, du Quelle des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

2. Ich sing dir mein Lied - in ihm klingt mein Leben. Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst, du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Text: Fritz Baltruweit, Barbara Hustedt 1994; französisch: Danielle Guerrier Koegler 2015. Melodie: aus Brasilien . © tvd-Verlag, Düsseldorf

 

EG 302

1. Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.


2. Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.

3Text: Paul Gerhardt 1653   Melodie: Johann Georg Ebeling 1666