Morgenimpuls

 

Morgenandacht 7. April 2020

Es ist schon seltsam passend, dass diese Zeit, in der wir zwangsweise auf so vieles verzichten müssen, ausgerechnet mit der Passions- bzw. Fastenzeit zusammenfällt.

Die Idee hinter der Fastenzeit ist ja, durch Verzicht einen Blick fürs Wesentliche zu bekommen.

Und wenn‘s gut geht, gewinnt unser Leben dadurch an Tiefe.

Wir machen die Erfahrung: Weniger kann mehr sein.

Wir bekommen einen anderen Blick auf den Alltag mit seinen sonst unhinterfragten Routinen.

Wir spüren, dass es auch anders geht als sonst.

In der Krise hat unser Leben einen anderen Rhythmus bekommen.

Ich bin sicher, dass die meisten Menschen, die jetzt zu Hause bleiben (müssen), heute Morgen anders aufgestanden sind als sonst.

Wir starten anders in den Tag, selbst wenn wir trotzdem im Homeoffice einen Arbeitstag haben.

Alles ist weniger hektisch, gemächlicher, lockerer.

Das jedenfalls ist die Chance dieser Zeit.

In den Psalmen heißt es sogar: „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“ (Ps 127,2)

Das ist sozusagen das Hohelied der Gelassenheit.

Außerdem lese ich da: „Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen.“

Auch ich stehe meistens früh auf, und oft sitze ich lange, und Sorgen sind mir auch nicht unbekannt.

Wie wohltuend sind da diese Worte!

Nichtstun. Pause, auch wenn es aktuell eine Zwangspause ist.

Gehirnforscher sagen: Nichtstun, ja sogar Langeweile haben, das fördere nicht nur die Kreativität (weil man da auf ganz neue Ideen kommt abseits der üblichen Gedankenpfade), sondern auch die Widerstandskraft.

Und außerdem gibt es da auch noch die Erfahrung, dass sich Probleme manchmal über Nacht von selbst lösen. Nicht alle und nicht immer, aber doch auch gar nicht so selten.

Am nächsten Morgen jedenfalls sieht Manches doch gleich ganz anders aus.

Im Schlaf vollbringt unser Gehirn offensichtlich großartige geistige Leistungen – ganz ohne Anstrengung, und ohne dass wir es merken.

Der Alltag wird sortiert und Wichtiges von Unwichtigem getrennt. Und manchmal werden Probleme auch gelöst.

Soll übrigens auch für Tagträume gelten.

Schon der Psalmbeter wusste jedenfalls:

„Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“

Amen

 

Psalm 127,1-3:

Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.