Morgenandacht für die Woche vom 6. bis zum 12. Juli 2020

„Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.“ Nicht mehr, nicht weniger. So lesen wir in der Manna-Erzählung im zweiten Buch Mose, Kapitel 16.

Wie viel brauchen wir zum Essen? Ich schon einiges. Vor allem am Morgen. Ohne vernünftiges Frühstück geht bei mir nicht viel. Andere bringen morgens kaum etwas runter. Dafür hauen sie am Abend ordentlich rein.

Doch, seien wir ehrlich, das ist eine Luxusfrage. Die meisten von uns haben mehr Essen zur Verfügung als sie brauchen. Wir leben umgeben von Überfluss. Groß ist die Versuchung, mehr zu uns zu nehmen als uns gut tut. Mehr einzukaufen, als wir verzehren können. Sarkastisch ausgedrückt: „Unser tägliches Brot … verschimmelt im Mülleimer.“

„Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.“ Das Manna - wohl eine Art von auskristallisiertem Honigtau -, es scheint reichlich vorhanden zu sein für die Israeliten in der Wüste. Ohne dass sie säen, etwas anbauen müssen. Nur jeden Morgen auflesen, sammeln, so viel man eben braucht. Nicht mehr - was übrig bleibt, verdirbt über Nacht. Aber auch nicht weniger, damit niemand hungern muss.

Vorräte anlegen - nicht möglich in dieser Situation. Die Israeliten müssen darauf vertrauen, dass jeden Morgen frisches Manna da liegt. Dass Gott sie versorgt mit „Brot von Himmel.“ - „Unser tägliches Brot … gib uns heute.“

„… soviel er zum Essen brauchte“. Dieses Jahr das Motto der Erntebittgottesdienste, die in den letzten Wochen gefeiert wurden. Die Bäuerinnen und Bauern, die schon seit geraumer Zeit Früchte ernten, die demnächst Gerste dreschen werden, danach weitere Getreidesorten - auf den ersten Blick sind sie in einer ganz anderen Lage als die Israeliten in der Wüste. Säen, anpflanzen, Vorräte anlegen - all das, was auf der Wüstenwanderung unmöglich ist, ist für sie unverzichtbar.

Doch auch in der Landwirtschaft geht es nicht ohne Vertrauen. Wer wird schon einen Acker einsäen, einen Weinberg anlegen, wenn er nicht darauf vertraut, etwas zu ernten? Nicht immer so viel und so gut wie gewünscht - das weiß jeder, der oder die in und mit der Natur arbeitet. Aber im Normalfall so, dass es reicht.

Die Israeliten in der Wüste, die Bäuerinnen und Bauern bei uns, wir als Menschen, die Lebensmittel kaufen und sich schmecken lassen - wir alle leben davon, dass Gott es gut mit uns meint. Dass wir säen und ernten können - und manchmal auch ernten ohne gesät zu haben. Dass unsere Arbeit Früchte trägt: „Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.“ (Matthias Claudius, EG 508,2)

Gott will, dass wir leben, dass wir gut versorgt sind mit allem, was wir zum Leben brauchen. Lassen Sie uns das „tägliche Brot“ dankbar genießen und die achten, die dafür arbeiten, dass wir essen können. Zugleich gilt: Wir leben „nicht vom Brot allein“ (5. Mose 8,3). Wir leben von Beziehungen. Zuerst und zuletzt von der Beziehung zu Gott, der uns geschaffen hat und mit so viel Gutem versorgt. Nicht nur das Frühstück gehört für mich zu einem guten Tagesanfang, auch das Morgengebet.

In diesem Sinne: Lassen Sie sich das Frühstück schmecken. „Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn.“ (EG 508, Kehrvers)

Ihr Pfarrer Jörg Dinger