Predigt Palmsonntag

Lesegottesdienst zum Palmsonntag, 5. April 2020 – Pfarrer Konrad Köhnlein, Pfedelbach
EG 166 Tut mir auf die schöne Pforte
1. Tut mir auf die schöne Pforte,
führt in Gottes Haus mich ein;
ach wie wird an diesem Orte
meine Seele fröhlich sein!
Hier ist Gottes Angesicht,
hier ist lauter Trost und Licht.
2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen,
komme du nun auch zu mir.
Wo du Wohnung hast genommen,
da ist lauter Himmel hier.
Zieh in meinem Herzen ein,
lass es deinen Tempel sein.
3. Lass in Furcht mich vor dich treten,
heilige du Leib und Geist,
dass mein Singen und mein Beten
ein gefällig Opfer heißt.
Heilige du Mund und Ohr,
zieh das Herze ganz empor.
4. Mache mich zum guten Lande,
wenn dein Samkorn auf mich fällt.
Gib mir Licht in dem Verstande
und, was mir wird vorgestellt,
präge du im Herzen ein,
lass es mir zur Frucht gedeihn.


Votum und Begrüßung
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Ich grüße Sie herzlich mit dem Wochenspruch aus Johannes 3:
Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.
Jesus wird erhöht, ans Kreuz geschlagen. Ein schlimmer Justizirrtum. Ein Unschuldiger stirbt. Und doch sind sich die Evangelien einig: Dieser schlimme Tod bringt etwas Gutes mit sich: Rettung, Heil, Hilfe für alle Menschen. In diesem Glauben, in dieser Hoffnung, sind wir heute beisammen. Durch Gottes gute Geisteskraft verbunden. Auch wenn wir heute nicht miteinander in der Kirche sitzen.
Philipperhymnus EG 764
Christus Jesus, der in göttlicher Gestalt war,
hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
sondern entäußerte sich selbst
und nahm Knechtsgestalt an,
ward den Menschen gleich
und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
Er erniedrigte sich selbst
und ward gehorsam bis zum Tode,
ja zum Tode am Kreuz.
Darum hat ihn auch Gott erhöht
und hat ihm den Namen gegeben,
der über alle Namen ist,
dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie,
die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,
und alle Zungen bekennen sollen,
dass Jesus Christus der Herr ist,
zur Ehre Gottes, des Vaters.


Gebet - Stilles Gebet

Noch bevor wir dich suchen, Gott, bist du schon da.
Noch bevor wir dich rufen, hast du uns schon beim Namen genannt.
Noch bevor wir zur dir kommen, sind wir schon in deinem Licht.
Schenke uns heute offene Augen, um deine Herrlichkeit zu sehen,
offene Ohren, um dein Wort zu hören,
ein offenes Herz, um dir zu vertrauen. Amen.


Predigttext: Markus 14,3-9
Jesus war in Betanien bei Simon dem Aussätzigen zu Gast. Während der Mahlzeit kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl. Sie zerbrach das Gefäß und goss Jesus das Öl über den Kopf.
Einige der Anwesenden waren empört.
»Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?«, sagten sie zueinander.
»Man hätte es für mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können!« Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe.
Aber Jesus sagte: »Lasst sie! Warum macht ihr es der Frau so schwer? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Arme wird es immer bei euch geben, und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt. Mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch. Sie hat getan, was sie konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt. Ich sage euch: Überall in der Welt, wo man das Evangelium verkünden wird, wird man sich auch an sie erinnern und von dem reden, was sie getan hat.«


EG 91 Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken

1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,
mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen
uns zu erlösen.
2. Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer Statt gemartert und zerschlagen,
die Sünde tragen:
3. welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde
den Fluch der Sünde.
4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken.

Predigt
I.
Jesus ist mal wieder dorthin gegangen, wohin sonst niemand will. Ins Haus des Aussätzigen Simon. Aussätzige waren Menschen mit einem Hautauschlag und der Kontakt mit ihnen war verboten. Doch Jesus kommt ins Haus des Simon.
Nun liegt man nach römischer Sitte miteinander zu Tisch. Es sind neben Jesus und Simon noch mehr Leute da. Vielleicht Freunde Simons und ein paar der Jünger von Jesus. Die Männer sind unter sich. So gehörte es sich damals. Es wird gegessen. Wahrscheinlich wird auch ein guter Tropfen getrunken. So weit, so normal. Dann kommt das, was nicht mehr normal ist: Eine Frau betritt die Männerrunde. Dies gehörte sich damals ganz und gar nicht.
Die Frau kommt in den Raum und sie hat ein Gefäß aus Alabaster bei sich. Alabaster ist ein Stein. Wenn man ihn dünn schneidet, ist er lichtdurchlässig. Glas gab es noch nicht und so trägt die Frau eben eine Alabastervase in das Haus des Simon. In der Vase schimmert das kostbare Nardenöl. Die Frau tritt zu Jesus. Sie kniet sich hin. Jesus liegt ja zu Tisch. Die Frau zerbricht den dünnen Hals der Flasche und gießt Jesus das Öl über den Kopf. Der Duft des Alabasteröls verbreitet sich im Raum. Haare und Kleidung von Jesus saugen sich voll. Und unten auf dem Boden bildet sich eine Lache mit der kostbaren Flüssigkeit. Dreihundert Silberstücke könnte das Öl Wert sein, so schätzen die Männer. Ca. 20.000 Euro wären das nach heutiger Kaufkraft. 20.000 Euro als Lache auf dem Boden. Verrückt.
Die anwesenden Männer sind empört. »Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?«, sagen sie.
Was hätte man damit nicht alles machen können! Viele arme Menschen hätte man damit satt machen können. Und andere wichtige Dinge tun. 20.000 Euro, die sich da als Lache auf dem Boden ausbreiten. Man ist versucht, an den Schauspieler Johnny Depp zu denken. Sie wissen schon: Captain Jack Sparrow in Fluch der Karibik. Ich habe gelesen, dass Johnny Depp 18 Millionen Dollar für den Kauf und die Renovierung einer 45-Meter-Yacht ausgegeben hat. Das darf der, ganz klar. So wie alle Hollywood-Schauspieler sich teure Dinge leisten dürfen. Sie kurbeln damit ja auch die Konjunktur an. Aber auch da kann man sich die Frage stellen: Was hätte man mit diesem Geld nicht alles machen können?
Die anwesenden Männer sind empört. »Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?«
II.
Jesus verteidigt die Frau. Er findet gut, was sie macht. „Lasst sie!“, sagt er. „Sie hat getan, was sie konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt.“
Damals war es Sitte, dass man Verstorbenen die letzte Ehre erweist, indem man ihren Leichnam mit kostbaren Salben und – wer weiß? – vielleicht mit ein wenig kostbarem Nardenöl einbalsamiert. Jesus freut sich, dass ihm dies durch die Frau schon im Leben widerfährt. Ich finde das nachvollziehbar. Es ist doch besser, einem lebenden Menschen Freude zu machen und mit verschwenderischer Liebe zu begegnen, als einem Leichnam die letzte Ehre zu erweisen. Zugespitzt: Besser ist Liebe und Zuneigung heute, als morgen Tote zu ehren. Das Leben zu ehren hat Vorrang!
Da drängt sich mir ein Vergleich mit der momentanen gesellschaftlichen Situation auf: 750 Milliarden Euro hat die Bundesregierung locker gemacht. Damit unser Gesundheitssystem die Corona-Krise überlebt. Und unsere Wirtschaft. Damit es hinterher neben den Großkonzernen auch noch den Mittelstand und kleine Handwerksbetriebe gibt. Was hätte man mit diesem Geld nicht alles machen können? In normalen Zeiten? Da hätte man einige marode Schultoiletten sanieren können. Da hätte man für einige Zeit Pflegepersonal besser bezahlen können. 750 Milliarden Euro, das ist viel Geld
„Und sowieso: Warum eigentlich der ganze Spuk?“, so fragen manche und googeln und lesen, dass 2017/2018 25.000 Menschen an der Influenza gestorben sind. „Damals wurden doch auch keine
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Milliardenpakete geschnürt und keine Schulen geschlossen“, so sagen sie. Aber vielleicht darf man dies lernen von der namenlosen Frau mit dem Alabastergefäß. Vielleicht darf man dies lernen aus der Reaktion Jesu: Das Leben zu ehren hat Vorrang. Wenn es um´s Leben geht – und bei Corona geht´s um Leben und Tod –, braucht man keine Kosten-Nutzung-Rechnung aufstellen. Das Leben ist heilig. Jedes Leben ist heilig. Ob alt, ob jung, ob Risikogruppe oder nicht.
III.
In der Abfolge der Passionsgeschichte, hat die Nardenöl-Episode am Mittwoch ihren Platz. Nachdem Jesus auf einem Esel in Jerusalem eingezogen war. Bevor er verhaftet wurde. Mitten in der Karwoche findet diese verschwenderische Liebesbekundung statt. Das Markusevangelium berichtet, dass zur gleichen Zeit festgelegt wurde: Jesus muss sterben. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie Jesus mit List ergreifen und töten könnten (Mk 14,1). So berichtet das Markusevangelium über die Verabredungen im Hintergrund. Am Mittwoch fand beides statt: Die verschwenderische Liebe und die Verabredung zum Töten. Und beide – Liebe und Tod – gehören in der Karwoche zusammen.
Jesus, der mit Nardenöl beträufelt wird, verschwendet sein Leben aus lauter Liebe. Sehenden Auges rennt er in sein Unglück. Und endet, wie niemand enden will: Im Tod am Kreuz. Er zeigt damit, wie Gott ist: Lässt sich lieber verprügeln und hinrichten, als die Hand gegen seine Feinde zu erheben. In Jesus macht Gott sich ohnmächtig. Er wird damit einer von uns. Denn wir sind auch oft ganz ohnmächtig. Wenn Krankheiten uns zusetzen. Wenn die Ängste uns den Hals zuschnüren.
Wenn wir selbst ohnmächtig sind, dann ist der ohnmächtige Gott uns ganz nah.
Gott, der sich in Jesus freiwillig ins Leid gestürzt hat. Für diese verschwenderische Liebestat wird Jesus von der Frau mit dem 20.000-Euro-Alabasteröl verschwenderisch gesalbt. Vor dem Leiden von Jesus wird dank der Frau mit Nardenöl noch einmal das Leben gefeiert.
Überall in der Welt, wo man das Evangelium verkünden wird, wird man sich auch an sie erinnern und von dem reden, was sie getan hat.
So ist es. Das haben wir heute getan.
Amen.


NL 168 Kostbar war der Moment
1. Kostbar war der Moment, als sie das Haus betrat, das Salböl in den Händen, um Liebe zu verschwenden. Kostbar war der Moment. Gepriesen, was sie tat!
2. Kostbar war der Moment, als sie mit leichtem Gang die Mauer der Bedenken durchschritt, um Trost zu schenken. Kostbar war der Moment. Für sie ein Lobgesang!
3. Kostbar war der Moment, als sie das Siegel brach und Duft das Haus erfüllte, sie zärtlich Ängste stillte. Kostbar war der Moment. Erinnerung wirkt nach.
4. Kostbar war der Moment, als Jesus sie bewahrt, sie schützte und sie ehrte, als sie sein Danke hörte. Kostbar war der Moment, als Gott den Raum betrat!
Gebet
Wir halten dir unsere Herzen hin, Jesus Christus, wir strecken dir unsere Hände entgegen. Wir wollten dir entgegengehen, wir wollten mit dir laufen und hineinziehen in deine Stadt.
Aber wir können nur mit unseren Herzen zu dir kommen. Nur unsere Sehnsucht ist auf dem Weg zu dir. Nur unsere Gebete. Sie sind alles, was wir haben.
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So beten wir für die Kranken für die, denen keine Medizin mehr helfen kann, für die, die einsam sterben, für die, die unter der Last dieser Tage zusammenbrechen. Komm zu ihnen mit deiner Liebe und heile sie. Höre uns.
So beten wir für die Menschen, die in Krankenhäuser und Pflegeheimen arbeiten, in Feuerwachen und Apotheken, in Kitas und Supermärkten, in Laboren und in Ställen, in Ämtern und Gemeinden. Komm zu ihnen mit deiner Freundlichkeit und behüte sie. Höre uns.
So beten wir für die Menschen, die in der Sorge dieser Tage in Vergessenheit geraten, die Flüchtlinge, die Opfer von häuslicher Gewalt, die Verwirrten und Missbrauchten, die Hungernden, die Einsamen. Komm zu ihnen und rette sie. Höre uns.
Wir halten dir unsere Herzen hin und danken dir für den Glauben. Wir danken dir, weil wir zu dir und zueinander gehören. Wir danken dir für die Zeichen der Liebe und Verbundenheit, für die freundlichen Worte, für die Musik. Wir danken dir für dein Wort und deine weltweite Kirche. Wir wollten dir entgegengehen und hineinziehen in deine Stadt. Und wir erleben es: Du gehst mit uns durch diese Zeit Heute, in diesen Tagen der Passion, und jeden neuen Tag.
(https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php)

Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
NL 217 Wir gehen hinauf nach Jerusalem
1. Wir gehn hinauf nach Jerusalem in leidender Liebe Zeiten und sehen, wie einer für alle stirbt, um uns einen Platz zu bereiten.
2. Wir gehn hinauf nach Jerusalem. Wer will bei dem Herren bleiben und kosten von einem so bittern Kelch? Die Angst soll uns nicht von ihm treiben.
3. Wir gehn hinauf nach Jerusalem, das Opfer der Welt zu sehen, zu spüren, wie unsere Not vergeht, und unter dem Kreuze zu stehen.
4. Wir gehn hinauf nach Jerusalem, zur Stätte der ew'gen Klarheit. Wo Leiden und Ohnmacht in unsrer Welt, da finden wir Christus in Wahrheit.


Segen
Der Herr segne euch und behüte euch Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.

Amen.

 

Gottesdienst Reihe bei Regio TV

„Du bist nicht allein“

Gottesdienst-Reihe bei Regio TV am Sonntag Judika 29. März 2020

Stuttgart/Reutlingen. Am Samstag, 28. März, und Sonntag, 29. März, um jeweils 11:00 Uhr strahlt der Fernsehsender Regio TV einen Gottesdienst mit Prälat Professor Dr. Christian Rose aus. Weil aufgrund der Corona-Verordnung des Landes keine Gemeinde-Gottesdienste in Kirchen mehr stattfinden können, haben sich die württembergische Landeskirche und Regio TV auf diese Kooperation verständigt. Der halbstündige Gottesdienst wird in der Reutlinger Marienkirche aufgezeichnet und per TV angeboten.

Mitwirken werden in dem halbstündigen Gottesdienst neben dem Reutlinger Prälaten die Notärztin und ehrenamtliche Tübinger DRK-Vorsitzende Dr. Lisa Federle, Bezirkskantor Torsten Wille, Sängerin Anne Greiling sowie Fabian Wettstein, Konzertmeister der Württembergischen Philharmonie Reutlingen.

 

Die Gottesdienste werden über die Sender Regio TV Bodensee, Regio TV Schwaben und Regio TV Stuttgart, im Kabelprogramm und auch über Satellit ausgestrahlt. Anschließend werden sie auf der Website der Landeskirche www.elk-wue.de abrufbar sein.